Aromatherapie für Pferde: Zwischen Geruchssinn, Beziehung und ganzheitlicher Haltung

Pferde nehmen ihre Umwelt über Düfte deutlich intensiver wahr als wir Menschen und reagieren darauf mit einer bemerkenswerten Ehrlichkeit. In der Aromatherapie eröffnet sich damit ein sensibler Zugang, der weit über bloße Entspannung oder Pflege hinausgeht: Er berührt den Instinkt, Emotionen und die Beziehung.

Im Gespräch gibt Aromatherapeutin und Pferde-Physiotherapeutin Sylvia Pusch Einblicke in die besondere Rolle des Geruchssinns bei Pferden. Sie erklärt im Interview, warum Selbstbestimmung bei der Duftwahl zentral ist und zeigt auf, wie ätherische Öle verantwortungsvoll in eine ganzheitliche, achtsame Pferdehaltung integriert werden können. Dabei wird deutlich, dass die Aromatherapie auch die Kommunikation und das Vertrauen zwischen Mensch und Pferd vertiefen kann.

zwei pferde grasend auf einer wiese

Sylvia Pusch: Pferde sind einfach unglaublich ehrlich in ihrer Aussage zu ätherischen Ölen. 

Wenn sie an einem angebotenen Öl schnuppern, sagen sie mit ihrer Körpersprache ganz klar in kürzester Zeit, ob ihnen das Öl gefällt und guttut, oder ob sie dieses Öl ablehnen. 

Menschen sind meistens voreingenommen. Lavendel riecht nach Mottenkugeln und von Zitrusdüften bekommt man Kopfschmerzen (was nur mit synthetischen Ölen passiert). Aber sie assoziieren Duft direkt mit Erlebnissen oder einmal gehörten Aussagen.

Es ist nicht nur der ausgeprägte Geruchssinn der Pferde, der sie das richtige Öl aussuchen lässt, sondern der Instinkt, der sie früher in der Steppe Kräuter finden ließ, die der Körper gebraucht hat. Heute sind Pferde domestiziert und passen sich dem Leben des Menschen an, ihren Instinkt und ihren guten Geruchssinn haben sie allerdings nicht verloren. Sie brauchen ihn als Fluchttier, um Gefahren zu wittern. In der Paarungszeit ist der Geruchssinn elementar wichtig und auch die Stuten erkennen ihre Fohlen am Geruch.

Sylvia Pusch: Ihre ausgezeichnete Fähigkeit zu riechen, ist anatomisch bedingt. Pferde haben sehr große Nasenhöhlen, die aus mehreren, in sich gewundenen Gängen bestehen. Hier befindet sich die Riechschleimhaut, die Duftstoffe aus der Luft filtert und über die verzweigten Geruchsnerven Botschaften an das Gehirn sendet. Pferde besitzen die besondere Eigenschaft, bei für sie intensiven Geruch zu flehmen. 

Jeder hat es sicherlich schon einmal gesehen. Sie nehmen dabei einen tiefen Atemzug, strecken den Kopf hoch in die Luft und stülpen die Oberlippe nach außen, um die Nüstern zu verschließen. Oft sieht es dann so aus, als würden sie lachen. 

Beim Flehmen wird das Jacobsonsche Organ eingesetzt. Das befindet sich im hinteren Gaumen. Damit kann das Pferd Gerüche riechen und schmecken. Gerade weil sie diese wunderbare Fähigkeit haben, ist es wichtig, ihnen Öle zur Selbstentscheidung anzubieten. Hier unterscheiden wir allerdings zwischen der physischen und psychischen Ebene. Die Öle werden nur bei Problemen der psychischen Ebene (z.B. bei Traumata, Angst, Verlust eines Stallfreundes usw.) angeboten. 

Bei physischen Problemen (Verletzungen, Hautirritationen usw.) muss das Pferd nicht abgefragt werden, da ist schnelle Hilfe notwendig. 

Entscheidet sich ein Pferd durch positive Körpersprache, intensives Schnuppern und sogar eventuelles ablecken, dann können Sie sicher sein, dass es das richtige Öl ist. Versuchen Sie jedoch nie, einem Pferd ein Öl Ihrer Wahl, was abgelehnt wird, aufzuzwingen. Es wird keinen Effekt haben, oder sogar das Gegenteil des gewünschten Effektes hervorrufen.

Sylvia Pusch: Eine gute und vertrauensvolle Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd mit dem Ziel, gegenseitigen Respekt, liebevolle Verständigung und ein gutes Miteinander zu erreichen ist die absolute Basis der Zusammenarbeit und harmonischen Kommunikation. Jedoch birgt der Alltag mit Pferden immer einige Herausforderungen mit sich. 

Stallwechsel, Wechsel des Boxen- oder Koppelpartners, Stress in der Herdenrangordnung oder ein Training, was das Pferd anstrengt. Da gibt es täglich neue Situationen. 

Hier können ätherische Öle unterstützen, beim Pferd sowie beim Pferdehalter auch. Angespannte Stimmung und Stress können sich durch ätherische Öle wie z.B. Lavendel, Kamille, Rosengeranie, Neroli und Melisse reduzieren. 

Ein anschauliches Beispiel ist die alljährliche Sorge vieler Pferdebesitzer und Pferdefreunde vor der Silvesternacht. Wenn es draußen knallt und lärmt, reagieren viele Pferde mit Angst und Unruhe. Ein beruhigendes Spray aus verschiedenen entspannenden ätherischen Ölen, das bereits einige Tage vorher an Boxenwände oder Futterraufen aufgesprüht wird, kann das Pferd dabei unterstützen, gelassener mit der Situation umzugehen und sein emotionales Gleichgewicht zu bewahren. Bleibt unser Pferd ruhig und fühlt sich wohl, können auch wir entspannt in das neue Jahr starten.

Sylvia Pusch: Die Qualität der ätherischen Öle ist enorm wichtig. Nur so kann sich die besondere Wirkung ausgesuchter Bio-Pflanzenstoffe für die therapeutische, schonende Unterstützung von Pferden zu 100 % entfalten. 

Entscheiden Sie sich immer für qualitativ hochwertige ätherische Öle! 

Folgende Angaben sollten auf dem Etikett des Öls zu finden sein: 

  • Botanischer Name der Pflanze 
  • Das zur Destillation verwendete Pflanzenteil 
  • Gewinnungsverfahren 
  • Herkunftsland 
  • Angaben zur Verdünnung 
  • Art des Anbaus 
  • Chargennummer 

Die lückenlose Kontrolle vom Feld bis in die Flasche ist ein wichtiger, transparenter Weg mit den Bio-Anbaupartnern. Wertschätzung und Respekt gegenüber der Natur, schonende Gewinnungsverfahren und Qualitätssicherung garantieren hochwertige Öle und deren Pflanzenkraft. 

Bis auf einige wenige ätherische Öle (Lavendel, Teebaum und Pfefferminze in geringer Dosierung) sollten ätherische Öle nie direkt auf die Haut aufgetragen werden. Sie sind nicht wasserlöslich. Aus diesem Grund ist Aloe vera Gel, fette Öle oder auch Honig als Mischungsgrundlage sehr gut einzusetzen. 

Die ätherischen Öle sollten nicht in die Augen oder auf Schleimhäute aufgetragen werden. Das kann zu Hautreizungen führen! Lagern Sie die Öle bitte kühl und dunkel.

Sylvia Pusch: Die Aromatherapie ist so vielseitig, dass man sie wunderbar in den Pferdealltag integrieren kann. Die Ganzheitlichkeit spielt dabei eine große Rolle, da die Öle auf physischer und psychischer Ebene wirken. 

Sie fördert die Nähe und den Zusammenhalt zwischen Pferdebesitzer und Pferd, denn die Auswahl des richtigen Öls ist gleichzeitig mit einem innigen und vertrauensvollen Beobachten der Reaktion des Pferdes verbunden. 

Trainings kann man mit ätherischen Ölen gut unterstützen. Wie viele Pferde sind nervös und angespannt. Hier kann man die Losgelassenheit und das Wohlbefinden mit ätherischen Ölen fördern. Auch die Pflege ist mit ätherischen Ölen wunderbar umzusetzen. 

CavaDea ist eine hochwertige Pflegeserie mit den besten, getesteten ätherischen Öl- Mischungen, die leicht und nachhaltig anzuwenden ist. 

Dahinter stehen Produkte in absoluter Bio Qualität mit ausschließlich naturreinen Inhaltsstoffen. Sie sollen vorbeugend, die Gesundheit unterstützend, effektiv und regenerierend sein.

Sylvia Pusch: Es ist wichtig, dass man sich mit der Aromatherapie beschäftigt und sich ein Basiswissen aneignet, bevor man damit arbeitet. Typische Fehler sind eine falsche Dosierung oder auch die innerliche Einnahme der ätherischen Öle. Auch gibt es nur wenige Ausnahmen der Öle, die pur auf die Haut aufgetragen werden dürfen. Es gibt einen kleinen Ratgeber zum Umgang mit ätherischen Ölen und wie man sie gut am Pferd anwenden kann. Wenn man einmal mit den Ölen arbeitet, hört man nicht mehr auf. Sie begleiten einen persönlich und in der Arbeit mit Pferden jeden Tag.

Sylvia Pusch: Düfte sind für Pferde nicht nur angenehm oder unangenehm, sie sind Informationsträger! Aromatherapie im Pferdekontext klingt für viele zunächst nach Wellness – tatsächlich berührt sie aber einen viel tieferen Bereich: Kommunikation über Sinneskanäle, die Pferde wesentlich stärker nutzen als wir Menschen. Düfte können, richtig eingesetzt, zu einer Art „nonverbaler Brücke“ werden, die Vertrauen, Entspannung und gegenseitige Wahrnehmung fördert.

Wenn beide – Mensch und Pferd – in einen ruhigeren Zustand kommen, entsteht ein gemeinsamer emotionaler Raum, in dem Kommunikation leichter und klarer wird. 

Schaffung eines gemeinsamen Rituals

Ein wiederkehrender Duft kann: 

  • Sicherheit vermitteln 
  • Vertrautheit schaffen 
  • den Übergang in eine Trainings- oder Beziehungssituation markieren 

Das Pferd lernt: „Wenn dieser Duft da ist, passiert etwas Positives und Ruhiges.“ Das stärkt Bindung und Erwartungssicherheit. 

Förderung der gegenseitigen Wahrnehmung 

Wenn der Mensch bewusst Düfte einsetzt, wird er selbst achtsamer: 

  • Wie reagiert das Pferd 
  • Welche Körpersignale zeigt es 
  • Welche Duftnoten bevorzugt oder meidet es 

Diese Achtsamkeit verbessert die feine, körpersprachliche Kommunikation, die im Umgang mit Pferden zentral ist. 

Aromatherapie ersetzt keine gute Ausbildung oder klare Körpersprache, aber sie kann ein kraftvoller, subtiler Verstärker sein, der die Beziehung auf einer sensorischen Ebene bereichert.

Aromatherapie für Pferde: Zwischen Geruchssinn, Beziehung und ganzheitlicher Haltung

Sylvia Pusch

Als ausgebildete Aromatherapeutin, Pferde-Physiotherapeutin und Aurum Manus Massagepraktikerin ist es mir eine Herzensangelegenheit, Pferde aromatherapeutisch und energetisch zu begleiten. Seit meiner Kindheit verbindet mich eine sehr tiefe Liebe zu Tieren; insbesondere zu Pferden. Ich schätze die hochsensiblen, stolzen Tiere. Sie sind der Spiegel jeder Menschenseele. Meine fachliche Arbeit verbinde ich seit vielen Jahren mit meiner Tätigkeit bei PRIMAVERA: Dort leite ich die Pflegelinie CavaDea und wirke an der Entwicklung aromatherapeutischer Pflegeprodukte für Pferde mit. Mehr zu meinem Buch: Aromatherapie für Pferde