Kritisch hinterfragt – Dr. Jutta Ziegler über Verantwortung, Einfluss und Alternativen in der Tiermedizin

Im Alltag vieler Tierarztpraxen ist das Angebot an Alternativen zu pharmakologischen Medikamenten und klassischen Therapien leider häufig begrenzt, obwohl es nebenwirkungsfreie Alternativen gibt. Umso wichtiger ist es, dass sich Tierbesitzer umfassend über ganzheitliche Ansätze informieren und sich auf eine gesunde, natürliche Ernährung im Alltag fokussieren.

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Dr. Ziegler: Schon ziemlich bald nach Eröffnung meiner Kleintierpraxis in Kuchl bei Salzburg beschäftigte ich mich mit alternativen Heilmethoden wie Homöopathie, Akupunktur, Phytotherapie und später auch mit orthomolekularer Medizin. Mir wurde sehr deutlich vor Augen geführt, dass die auf der Uni in Wien erlernten Therapiemethoden sowie die prophylaktischen Maßnahmen wie Impfungen, Spot-ons etc. völlig unzulänglich waren und die Tiere teils noch kränker machten, als sie zuvor waren. Die eine Baustelle wurde zugemacht, die nächste wurde dafür aufgemacht.

Dr. Ziegler: Was die Impfungen betrifft: Es wird völlig willkürlich geimpft. Am besten jedes Jahr, damit der Patientenbesitzer bei der Stange gehalten wird und jedes Jahr zur Impfung erscheint. Dass ALLE Impfungen eine deutlich längere Wirkungsdauer haben – falls überhaupt eine Wirkung vorhanden ist – wird aus meiner Sicht ignoriert. Im Rückblick kann ich nur sagen: Die Fälle mit impfbaren Infektionskrankheiten, die ich in meiner Praxis erlebt habe, waren alle gegen die jeweilige Krankheit geimpft.

In den üblichen Kleintierpraxen wird meiner Meinung nach neben viel zu vielen Impfungen auch die Ursache einer Erkrankung missachtet. Es werden Antibiotika, Entwurmungsmittel, Schmerzmittel, Cortison und Immunsuppressiva verschrieben wie “Hustenzuckerl”, ohne die Hintergründe aufzudecken. Meistens sind falsche Ernährung, schlechte Haltung, Stress, vorbeugende Medikamente wie Antiparasitaria, Impfungen und Therapien mit hoch toxischen Medikamenten ursächlich an der Erkrankung beteiligt. Das wäre „alternativlos“, müssen sich Tierbesitzer dann anhören, wenn sie die Kollegen auf Alternativen hin ansprechen. 

Es ist leider kein Umdenken absehbar. Im Gegenteil: Viele Tierarztpraxen befinden sich mittlerweile in den Händen von Großkonzernen, die natürlich lukrativ arbeiten müssen, da bleibt auch kein Platz für Ursachenforschung, geschweige denn für andere Therapieverfahren. Abgesehen davon, dass an Universitäten nichts anderes gelehrt wird, ist bei den meisten Tierärzten auch keinerlei Ambition vorhanden, Therapien anders anzugehen als wie es immer gemacht und nicht anders gelernt wurde. 



Dr. Ziegler: Aus meiner Zeit als aktive Tierärztin weiß ich, wie stark die Pharmaindustrie sowie die Futtermittelindustrie Einfluss auf die Verschreibungen in den Praxen haben. Schon während des Studiums bekommen Studenten hohe Rabatte auf die Produkte der Futtermittel-Großkonzerne und bei der Eröffnung einer eigenen Praxis werden sie mit lukrativen Angeboten (Praxiseinrichtungen oder Rabatten) gelockt. Futtermittel der Großkonzerne sind aber immer minderwertig – das bedeutet nicht nur, dass sie aus billigen Rohstoffen wie etwa Federn bestehen, sondern auch, dass diese stark verarbeitet und mit synthetischen Zusätzen „aufgepeppt“ werden. Diese Futtermittel schädigen aus meiner Erfahrung das Mikrobiom der Hunde, belasten das Immunsystem und so weiter.

Was die Medikamente betrifft, stürmen bei der Eröffnung einer neuen Praxis die Vertreter diese und preisen ihre jeweiligen, meist toxischen Produkte an. Und da diese auf der Uni schon verwendet und angepriesen werden, sind die wenigsten frischgebackenen Tierärzte in der Lage, über den Tellerrand zu schauen und andere Wege zu suchen. Es wurde ja immer schon so vorgegangen und auch so gut wie alle Kliniken schlagen in diese Kerbe. 

Die Tiere sind die Leidtragenden, sind sie doch – nach vielleicht kurzfristiger Besserung – oft kränker als vorher. Das betrifft natürlich hauptsächlich chronische Erkrankungen, die häufig nach Falschbehandlungen des akuten Stadiums auftreten. Was Unfallversorgung betrifft, gilt das natürlich nur sehr bedingt. Die chirurgische Versorgung unserer Kleintiere ist in den meisten Fällen super, wird aber meiner Meinung nach auch oft übertrieben – etwa dann, wenn Operationen durchgeführt werden, die aus meiner Sicht nicht notwendig sind und den Tieren am Ende eher schaden als nutzen.



Dr. Ziegler: Zuerst sollte der Tierhalter beim Tierarztbesuch kritisch bleiben und sich keine „alternativlosen“ Behandlungen andrehen lassen. Viele Tierbesitzer sind mittlerweile top informiert und wissen genau, was sie nicht wollen. Hausverstand einschalten! Das betrifft ja nicht nur die Besuche beim Tierarzt, sondern auch alles, was die eigene Gesundheit angeht.

Nur, wenn immer mehr Tierbesitzer aufstehen und beim Tierarzt andere Behandlungsmethoden ansprechen, kann sich langsam etwas ändern. Der Druck muss von unten kommen.

Dr. Ziegler: Das A und O ist Information. Jeder Tierbesitzer kann sich mittlerweile über alternative Heilmethoden intensiv ein Bild verschaffen.

Dr. Ziegler: Die beste Ernährung ist so natürlich wie möglich. Und da steht das Barfen (biologisch artgerechte Rohfütterung) nun mal an erster Stelle. Es gibt natürlich auch Situationen wie Urlaub, Krankheit oder andere, wo es dem Tierbesitzer nicht möglich ist zu barfen. 

Da gibt es dann aber gute Alternativen: Besonders ist bei der Verfütterung von Fertigprodukten zu beachten, dass der Fleischanteil relativ hoch und der Anteil der tierischen Nebenerzeugnisse niedrig ist und vor allem KEINE synthetischen Zusatzstoffe verwendet werden. Auch der Stärkeanteil im Futter sollte nicht zu hoch sein. Je weniger das Futter verarbeitet ist, desto gesünder ist es. 

Wenn schon das Muttertier falsch gefüttert wird, hat der Welpe einen schlechten Start ins Leben. Er bekommt schon bei der Geburt eine instabile Darmflora mit und viele Hunde können diese lebenslang nicht mehr optimal aufbauen. 80 % des Immunsystems liegt nun mal im Darm und wenn hier von Beginn an schlechte Bedingungen vorliegen, werden Krankheiten – hauptsächlich Allergien und Immunschwächen sowie noch viele weitere Erkrankungen – Vorschub geleistet.

Dr. Ziegler: Ich wünsche mir, dass immer mehr Tierhalter die Ernährung und die Therapien ihrer Tiere hinterfragen und auch sämtliche prophylaktische Maßnahmen wie Impfungen und Antiparasitaria – egal ob als Spot-on oder Tablettenform – verweigern. Gegen Parasiten, ob Ektoparasiten oder Endoparasiten, gibt es aus meiner Sicht ausreichend hochwirksame natürliche Alternativen. Erst wenn Tierhalter sich für solche Wege entscheiden, ist der erste entscheidende Schritt getan, um ihr Tier so lange wie möglich gesund zu erhalten und ihm im Alter viele Leiden zu ersparen.

Kritisch hinterfragt – Dr. Jutta Ziegler über Verantwortung, Einfluss und Alternativen in der Tiermedizin

Jutta Ziegler

Die Tierärztin Dr. Jutta Ziegler hat sich auf die ganzheitliche, nebenwirkungsfreie Behandlung und Ernährungsberatung von Hunden und Katzen spezialisiert. Darüber hinaus gibt die Veterinärmedizinerin, Tierenergetikerin und Gründungsmitglied des VfIT (Verein für Integrative Tiermedizin) ihr fundiertes Wissen weiter.