Den Hund als Ganzes sehen: Christine Steinke-Beck über naturheilkundliche Begleitung mit Verantwortung

Um das Wohlbefinden und die Gesundheit eines Hundes zu unterstützen, ist ein ganzheitliches Vorgehen wichtig. Während Tiere mit kleineren Beschwerden häufig bereits von einer Ernährungsumstellung, Naturheilkunde und ausreichenden Ruhephasen profitieren, gehören ernste Symptome in die Hände eines erfahrenen Tierarztes.

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C. Steinke-Beck: Wir schauen tatsächlich ganzheitlich auf das Tier. Das heißt, wir nehmen nicht nur das Hauptsymptom wie z.B. Durchfall und behandeln dies,  sondern schauen auch auf das Verhalten, Vorhandensein von Stress, die Fütterung, Rassedisposition, Trinkverhalten usw. Denn Durchfall hat immer eine Ursache und wir versuchen, diese zu finden, um dann die Ursache zu behandeln und nicht das Symptom.

C. Steinke-Beck: Da bleibe ich gleich beim Symptom Durchfall. Wenn ein Hund plötzlich Durchfall bekommt – und ich kann als Hundebesitzer genau sagen, dass es z.B. von einer Stress-Situation oder einem ungewohnten Kauartikel kommt –, dann kann man die empfohlenen Mittel aus meinem Buch verwenden. Meistens wird das Problem dadurch bereits gelöst. 

Anders sieht es bei chronischen Problemen wie starkem, wässrigem Durchfall aus oder wenn ich mir nicht sicher bin, was den Durchfall verursacht hat. Es kann schließlich auch immer eine ernste Erkrankung dahinterstecken. In solchen Situationen sollten Besitzer im Zweifel immer zum Tierarzt gehen!

C. Steinke-Beck: Die Konstitution eines Hundes ist eine wesentliche Grundlage bei der Wahl der geeigneten Therapie. Haltung, Fütterung, Rasse, individuelle Charaktereigenschaften und Herkunft (Zucht/Tierschutz/Vorgeschichte) sind entscheidend für die Wahl der richtigen Therapie und damit auch für den Therapie-Erfolg. 

Was bei identischen Symptomen bei Hund A funktioniert, kann bei Hund B völlig ohne Verbesserung sein. Jeder Hund ist ein Individuum und genau so muss man auch therapieren: individuell für diesen einen speziellen Hund.

C. Steinke-Beck: Pflanzliche Präparate – egal ob als Tee oder als Präparat – sind meiner Erfahrung nach wertvolle Helfer zur Gesunderhaltung und zur Behandlung bei Krankheiten. Auch hier muss aber zuerst wieder der individuelle Hund berücksichtigt werden: hat er bekannte Allergien oder Unverträglichkeiten? 

Noch wichtiger ist das Wissen darüber, ob diese Pflanze für Hunde geeignet und welche Dosierung richtig ist. Ein kleines Beispiel dazu: Hopfen ist ein bewährtes Mittel zur Beruhigung, bei Stress oder Ängsten. Eine Überdosierung kann aber furchtbare Folgen haben und führt häufig sogar zum Tod der Tiere. Deshalb sollten Hundebesitzer unbedingt auf Präparate speziell für Tiere zurückgreifen und im Idealfall den Apotheker, Tierheilpraktiker oder Tierarzt zu Rate ziehen. 

Eindringlich warnen muss ich leider vor Präparaten, die für Menschen gedacht sind. Was bei unseren Großeltern zum Beispiel toll wirkt, kann für unseren Senior-Hund fatale gesundheitliche Folgen haben. Deshalb bitte entweder fachlich beraten lassen oder Präparate für Tiere verwenden. Humanpräparate enthalten häufig übrigens auch den Zuckerersatz Xylit, der für uns Menschen unbedenklich ist, für Hunde allerdings zum Tod führt.

C. Steinke-Beck: In der Praxis sehen wir häufig Hunde mit typischen Stresssymptomen wie Verdauungsproblemen, Übersprungshandlungen usw. Ganz häufig erreichen wir schon eine deutliche Verbesserung, wenn das Schlafbedürfnis eines Hundes beachtet wird. Viele Hunde finden nicht zur Ruhe, weil sie den ganzen Tag ihre Zweibeiner verfolgen, zu viel Aktivität und Aufmerksamkeit haben oder der Alltag insgesamt sehr unruhig ist. Hier empfehle ich – im Zweifel mit Hilfe eines guten Trainers – den Hund in Ruhe zu bringen. Das ist eine wichtige Grundlage für ein gesundes Leben.

C. Steinke-Beck: Das Thema Ernährung ist natürlich als Dozentin für Hundeernährung eines der Hauptthemen in meiner Praxis. Hier kann man ganz einfach sagen: Es gibt nicht DIE eine Fütterung oder DAS eine Futter für Hunde. Es gibt nur DEN einen Hund, für den man die passende Ernährung finden muss.

Ich habe in einem Haushalt oft zwei Hunde, die völlig unterschiedliche Fütterungsarten benötigen. Nur Barf, ausschließlich vegetarisch oder nur Trockenfutter ist aus meiner Sicht nicht der richtige Weg… Es gilt hingegen, nur diesen individuellen Hund mit all seinen Bedürfnissen, Haltungsbedingungen und Rasse-Besonderheiten zu berücksichtigen. 

Ohne die passende Fütterung ist auch häufig eine erfolgreiche Therapie nicht möglich. Tatsächlich macht aber die passende Fütterung sehr oft eine Therapie überflüssig.

C. Steinke-Beck: Hier ist es ganz wichtig, die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen zu kennen. Zur Unterstützung des Wohle des Tieres eignen sich, falls möglich, aus meiner Erfahrung vor allem Homöopathie, Bachblüten oder Phytotherapie. Zusätzlich kann auch Schulmedizin sinnvoll sein. Als Beispiel: Wir haben in der Naturheilkunde unfassbar viele Möglichkeiten, zum Beispiel zur Unterstützung des Wohlbefindens bei Arthrose. Wenn der Hund aber deutlich sichtbar unter Schmerzen leidet, muss eine begleitende Schmerzbehandlung durch den Tierarzt erfolgen.

C. Steinke-Beck: Hundebesitzer, die ihren Hund ganzheitlich begleiten möchten, haben es heute im Prinzip leicht. Es gibt unfassbar viel Literatur, Webinare, Kurse, Therapeuten etc. Hier muss man einfach schauen, dass man wirklich gut ausgebildete Therapeuten, Dozenten und Autoren auswählt. Das erkennt man sehr einfach daran, wenn nicht jegliche andere Methode oder Schulmedizin ausgeschlossen oder abgelehnt wird. Meine Erfahrung ist, dass unsere Hunde von sanfter Medizin in Verbindung mit einem guten Tierarzt am meisten profitieren; und das nicht nur im Falle einer Erkrankung, sondern auch zur Vorsorge.

Den Hund als Ganzes sehen: Christine Steinke-Beck über naturheilkundliche Begleitung mit Verantwortung

Christine Steinke-Beck

Die Tierheilpraktikerin Christine Steinke-Beck hat sich auf Ernährungsberatung und Naturheilkunde spezialisiert. In ihrer eigenen Praxis berät sie Tierbesitzer und nutzt insbesondere alternative Behandlungsmethoden wie klassische Homöopathie und Phytotherapie – bei Bedarf in Kooperation mit Tierärzten.