Vierbeinige Lieblinge gut beraten: Alexander Jaksche über Tiergesundheit in der Apotheke
Mittlerweile hat sich der Bereich Tiergesundheit fest im Sortiment von Apotheken etabliert. Besonders häufig lassen sich Tierbesitzer über geeignete Mittel zur Schädlingsprophylaxe, zu Präparaten bei Durchfall oder zur Beruhigung an Silvester beraten.

A. Jaksche: Nach meinem Empfinden wird der Apotheker aus Sicht der Kunden und der Industrie immer mehr als Partner wahrgenommen. Das beweist von Seiten der Industrie, dass immer neue Produkte aus der Verschreibungspflicht entlassen und der Apothekenpflicht zugeführt werden. Prominentestes Beispiel ist Frontpro, die Kautablette gegen Zecken und Flöhe. Aber auch die Kunden suchen vermehrt die Apotheke auf, z. B. am Mittwochnachmittag oder Samstag, wenn der Tierarzt nicht erreichbar ist. Viele kleinere Probleme wie leichter Durchfall, Schädlingsprophylaxe usw. sind in der Apotheke bestens aufgehoben.
A. Jaksche: Ein häufiges Missverständnis bei sogenannten Spot-on-Präparaten, die gegen Zecken und Flöhe wirken, besteht darin, dass viele Tierhalter glauben, diese Produkte würden die Parasiten aktiv fernhalten (also eine abschreckende Wirkung haben). Das trifft jedoch nicht auf alle Präparate zu. Insbesondere ältere, freiverkäufliche Mittel töteten die Parasiten meist erst nach dem Stich, ohne sie vorher abzuschrecken. Dadurch kam es häufiger zu Missverständnissen: Tierhalter erwarteten, dass sich gar keine Zecke mehr am Tier festsetzt, und deuteten das Auftreten von Parasiten als „Versagen“ des Produkts – obwohl es korrekt gewirkt hat.
Erst seit 2023 sind auch rezeptfreie Spot-on-Präparate erhältlich, die eine sogenannte repellierende Wirkung haben – das heißt, sie können Flöhe und Zecken aktiv abwehren, bevor es zu einem Stich kommt. Diese Produkte erfüllen also eine andere, für den Halter oft wichtigere Erwartung und helfen dabei, solche Missverständnisse zu vermeiden.
Weit verbreitet ist auch die Meinung, dass vorheriges Schamponieren der Tiere die Wirkung von Spot-ons verbessert, doch es bewirkt das genaue Gegenteil. Außerdem müssen die Spot-ons immer auf die Haut, nicht aufs Fell aufgetragen werden.
Die Umgebungsbehandlung bei Flohbefall ist ebenfalls extrem wichtig, da bis zu 95 % der Flohpopulation als Larven oder Puppen, z. B. auf Liegeplätzen der Tiere vorkommen. Ohne Umgebungsbehandlung lässt sich das Problem in den seltensten Fällen in den Griff bekommen. Außerdem ist eine Entwurmung im Anschluss unerlässlich, da die Mehrzahl der Flöhe mit Bandwurm-Larven infiziert ist. Es ist also sehr wichtig, dass der Apotheker die Kunden berät und nicht beratungsfrei im Internet bestellt wird.
A. Jaksche: Im schlimmsten Fall kann die Anwendung humaner Arzneimittel beim Tier tödlich enden. Selbst so ein „harmloses“ Arzneimittel wie Paracetamol ist für Katzen tödlich und Ibuprofen hat beim Hund eine extrem kleine therapeutische Breite. Nebenwirkungen durch Überdosierung sind quasi vorprogrammiert. Die Umwidmung von Humanarzneimitteln für Tiere ist nur in Ausnahmefällen und nur durch den Tierarzt möglich und erlaubt. Die einzige Ausnahme stellen homöopathisch registrierte Arzneimittel dar. Diese dürfen auch beim Tier angewendet werden.
A. Jaksche: Folgende Produkte sollten aus meiner Sicht in keiner Hausapotheke von Tierbesitzern fehlen:
Hilfsmittel:
- Pinzette mit abgerundeter Spitze (Entfernung von Fremdkörpern)
- Zeckenzange
- Maulkorb oder eine dicke Schnur
- Gummistaubinde oder Gummischlauch als Hilfsmittel zum Abbinden
- saubere Küchentücher zum Abdecken größerer Wunden
- CoolPad zur Kühlung bei Hitzschlag oder zur Blutstillung
- Verbandschere
- Fieberthermometer
- Einwegspritzen (5 ml, 10 ml oder größer) zum Eingeben von Flüssigkeiten oder Spülen von Wunden
- Einmalhandschuhe
- Decke
Verbandsmaterial:
- Mullkompressen, Mullbinden, elastische Binden und sterile Gazetupfer
- wasserfestes Klebeband oder gewebeverstärktes Klebeband
- Polster- oder Verbandwatte
- selbsthaftende elastische Fixierbinden zur Befestigung von Verbänden
- Heftpflaster
Medikamente (Beispiele):
- Durchfallmittel
- Frische Verletzungen/Desinfektion: Wasserstoffperoxid 3 % / Betaisodona als Salbe/Tinktur
- Augentropfen gegen Reizung und Augentropfen gegen Infektion
- Kohle-Präparate bei Vergiftung oder Nahrungsmittelunverträglichkeit
A. Jaksche: Meines Erachtens benötigen gesunde Tiere keine Nahrungsergänzung. Dennoch können Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Präparate in bestimmten Fällen nützlich sein – z. B. Präparate bei Arthrose oder zur Unterstützung der Niere. Auch für die Rekonvaleszenz gibt es sinnvolle Vitamin-Kombinationen. Die Tierhalter sollten auf gute Qualität namhafter Hersteller achten. Genau wie beim Menschen kann die gleichzeitige Gabe zu vieler verschiedener Mittel zur Überdosierung führen.
A. Jaksche: Generell kommt es beim Miteinander darauf an, sich als Partner und nicht als Konkurrenten zu sehen. Bei leichten Befindlichkeitsstörungen der Tiere, wie z. B. leichter Durchfall und bei geschlossener Praxis kann der Apotheker den Tierarzt entlasten. Auch logistisch unterstützen wir die Tierärzte, wenn Arzneimittel, die beim Tierarzt nicht vorrätig sind, über den Pharma-Großhandel schnell und unkompliziert beschafft werden können. Da wir Zugang zu einer speziellen Datenbank haben, bekommen wir auch manchmal Anfragen zu Wirkstoffen oder Ausweichpräparaten.
A. Jaksche: Das Wichtigste ist der Unterschied im Stoffwechsel zwischen Mensch und Tier, aber auch den einzelnen Tierarten. Ein Wirkstoff wie Paracetamol ist für Menschen gut verträglich, für Katzen jedoch tödlich. Genau wie Permethrin, das für Hunde unbedenklich, aber für Katzen toxisch ist. Bei der Anwendung von Arzneimitteln muss die passende Tierart explizit aufgeführt sein. Plötzliche Veränderungen wie Fieber, Appetitlosigkeit oder der Verlust des Spieltriebs gehören immer in die Hand des Tierarztes, vor allem auch Bisswunden. Die sehen anfangs manchmal harmlos aus, können sich aber entzünden und das wird unangenehm.
A. Jaksche: Die häufigsten Anfragen kommen zur Floh- und Zeckenprophylaxe bzw. zur Flohbehandlung und Durchfall. An Silvester spielt das Thema Stress wegen der Böller wiederum eine große Rolle. Vermehrt versuchen Kunden rezeptpflichtige Medikamente ohne Rezept zu bekommen. Teils aus Unwissen, teils aus Faulheit zum Arzt zu gehen. Natürlich nehmen auch die Bestellungen im Internet zu und die Apotheke ist dann die Anlaufstelle bei der Beratung von Fehlbehandlung und Nebenwirkungen. Es ist genau wie bei den Humanpräparaten.
Allgemein nimmt die Nachfrage nach natürlichen Präparaten in allen Bereichen zu. Sowohl bei Prävention im Bereich Spot-On gegen Zecken und Flöhe als auch bei der Bekämpfung von Milben oder der Behandlung von Durchfall wird immer häufiger nach pflanzlichen Alternativen gefragt.













