Privatdozent Dr. Maximilian Franz im Experteninterview: Amenorrhö als Folge hormoneller Dysbalance

Experteninterview Maximilian Franz

Die Ursache der gynäkologischen Symptomatik Amenorrhö basiert auf einer hormonellen Dysbalance. Für eine erfolgreiche Therapie ist zunächst eine umfassende Anamnese inklusive Ultraschall und Erfassung des Hormonstatus grundlegend. Der jeweilige Behandlungsansatz richtet sich nach der jeweiligen Diagnose und den individuellen Bedürfnissen der Patientinnen.

Dr. Franz: Amenorrhö ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom. Die häufigsten Ursachen hormoneller Ungleichgewichte bei Amenorrhö sind:

  1. Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)
  2. Hypothalamisch-hypophysäre Störungen
  3. Ovarielle Insuffizienz, einschließlich vorzeitiger Menopause
  4. Hyperandrogenämie
  5. Seltenere Ursachen wie Kallmann-Syndrom oder organische Ursachen (z.B. Morbus Asherman).

Zur Diagnose der Amenorrhö gehören eine umfassende Anamnese, ein Ultraschall der Eierstöcke und der Gebärmutter sowie die Analyse des Hormonstatus, um die richtigen Therapieansätze zu bestimmen.

Dr. Franz: Bezüglich der Behandlung von Amenorrhö gibt es keine großen Unterschiede zwischen den Kliniken in München und Wien. Beide Institutionen folgen den Prinzipien guter medizinischer Praxis. Meine Ausbildung an der LMU München legte die Basis, während ich in Wien die Sichtweise aus München einbrachte. Die wesentlichen Unterschiede sehe ich eher in der Organisation der Kliniken als in den medizinischen Herangehensweisen.

Dr. Franz: Endoskopie spielt in diesem Zusammenhang keine primäre Rolle, da Amenorrhö — wie bereits anfangs erwähnt – keine Krankheit, sondern ein Symptom ist. Für Amenorrhö ist eher die Ultraschalluntersuchung entscheidend, besonders beim Polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS). Bei organischen Ursachen, wie dem Asherman-Syndrom – einer durch Ausschabungen verursachten Gebärmutterschädigung –, kann eine Endoskopie (Hysteroskopie) jedoch zu einer kombinierten Diagnose und Behandlung eingesetzt werden. Dies betrifft jedoch spezifische Sonderformen und nicht die Mehrheit der Amenorrhö-Fälle.

Dr. Franz: Amenorrhö kann ein Hinweis auf verschiedene zugrunde liegende Gesundheitsprobleme sein, die die Fruchtbarkeit und Schwangerschaftsplanung beeinflussen. Dazu gehören:

    1. Adrenogenitales Syndrom (AGS), eine seltene genetische Stoffwechselstörung, die bei Vorliegen beider Eltern genetisch vererbt wird (liegt bei 1 zu 50 in der Gesamtbevölkerung). Das Kind hätte in diesem Fall ein Risiko von 1 zu 4, an dieser Stoffwechselstörung zu erkranken – das würde wiederum bei 1 zu 10.000 Fällen in einer schweren angeborenen Stoffwechsel- und Hormonerkrankung resultieren.
    2. Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS), das die Ovulation beeinträchtigt.
    3. Essstörungen, wie Anorexie, die den Hormonhaushalt und die Fruchtbarkeit beeinflussen können.
    4. Asherman-Syndrom (eine spezielle Sonderform!), welches das Risiko für Frühgeburten erhöht.

Dr. Franz: Amenorrhö bringt bei Kinderwunsch-Patientinnen keine spezifischen Herausforderungen mit sich, die sich von anderen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch wesentlich unterscheiden. Die Ursachen sind oft individuell und komplex, daher erfolgt die Behandlung nicht isoliert basierend auf der Amenorrhö, sondern unter Berücksichtigung der gesamten medizinischen Situation des Paares. Der Ansatz bleibt ganzheitlich und maßgeschneidert auf die individuellen Bedürfnisse und Ursachen der Patientinnen abgestimmt​.

Dr. Franz:  Aktuell gibt es keine bahnbrechenden Forschungsergebnisse speziell zur Amenorrhö. Dieser Zusammenhang geht auch wieder auf die Tatsache zurück, dass es sich um ein Symptom und nicht um eine eigenständige Krankheit handelt. Die Forschung konzentriert sich auf zugrunde liegende Ursachen wie vorzeitige Menopause und PCOS. Wenn neue Forschungsergebnisse auftauchen, die innovative Ansätze aufzeigen, werden diese in der Praxis implementiert.

Besonders vielversprechend sind Studien zu wiederholten Fehlgeburten und Heilmethoden, die derzeit noch nicht allgemein zugelassen sind. Neue Entwicklungen werden stets sorgfältig geprüft und schrittweise etabliert.

Dr. Franz: Ich gehe in meiner Praxis empathisch auf alle Patientinnen ein, unabhängig von der Diagnose. Obwohl es keine spezifische Herangehensweise für Amenorrhö gibt, ist besondere Sensibilität bei Patientinnen mit möglichen zugrunde liegenden Essstörungen oder Stress wichtig. In diesen Fällen ist mir eine behutsame Kommunikation wichtig, ohne eine vorschnelle Schlussfolgerung zu ziehen. Der Fokus liegt auf einer individuellen, einfühlsamen Betreuung, bei der die emotionale Belastung der Patientinnen stets berücksichtigt wird​.

Bei Amenorrhö sollte stets die Ursache und nicht nur Symptome behandelt werden. Häufig sind die zugrunde liegenden Ursachen leicht zu diagnostizieren und zu therapieren. Ich möchte davor warnen, sich von der Symptomatik verunsichern zu lassen, da die meisten Fälle behandelbar sind. Seltene Ursachen sind eine Ausnahme und häufige Probleme wie PCOS oder hormonelle Dysbalancen können oft gut behandelt werden. Eine umfassende und ruhige Diagnostik ist der Schlüssel zum Erfolg.

Privatdozent Dr. Maximilian Franz im Experteninterview: Amenorrhö als Folge hormoneller Dysbalance

Priv. Doz. Dr. Maximilian Franz

Der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Priv. Doz. Dr. Maximilian Franz behandelt seine Patientinnen in seiner eigenen Münchner Praxis. Bei seiner Behandlung liegt dem habilitierten Frauenarzt eine empathische Betreuung und eine kompetente Kommunikation am Herzen. Dr. Maximilian Franz hat sich zudem auf die Bereiche gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin spezialisiert.