Schmerzlinderung durch Hypnose: Ein ganzheitlicher Ansatz zur Behandlung von PMS und Menstruationsbeschwerden
PMS (Prämenstruelles Syndrom) gehört zu den charakteristischen Beschwerden der Frauenheilkunde. Neben einem gesunden Lifestyle auf Basis einer pflanzlich betonten Ernährung im Mix mit einem individuellen Stressmanagement, ausreichend Bewegung und Selbstreflexion gehört auch Hypnose zu den erfolgversprechenden Therapieansätzen zur Linderung der Symptome von PMS und Menstruationsbeschwerden.

Dr. Struck: PMS umfasst eine Vielzahl von Beschwerden, die sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sein können. Zu den körperlichen Symptomen gehören beispielsweise Brustspannen und Kopfschmerzen, während psychische Beschwerden wie Dünnhäutigkeit, depressive Verstimmungen, Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit oder Schlafstörungen häufig auftreten. Insgesamt gibt es etwa 150 verschiedene Symptome, die mit PMS in Verbindung gebracht werden.
Frauen stellen oft erst durch das Führen eines Zyklus- oder Symptomtagebuchs fest, dass ihre Beschwerden tatsächlich zyklusabhängig und mit PMS verknüpft sind. Medizinisch wird zwischen dem klassischen PMS – mit körperlichen und psychischen Symptomen – und dem prämenstruellen dysphorischen Syndrom (PMDS) unterschieden, das vor allem durch schwere psychische Symptome gekennzeichnet ist.
Die Diagnose von PMS oder PMDS ist oft herausfordernd, da es keine spezifischen Laborwerte gibt, die die Beschwerden belegen könnten. Im Gegensatz zu anderen gesundheitlichen Problemen, bei denen klare Werte im Blutbild eine Diagnose erleichtern, basiert die Diagnose von PMS auf der klinischen Bewertung und dem Glauben an die subjektiven Angaben der Patientin.
Mönchspfeffer ist eine der bekanntesten Pflanzen zur Behandlung von PMS-Symptomen, jedoch nicht für alle Frauen gleichermaßen geeignet. Diese Pflanze wird vor allem mit einem erhöhten Prolaktinspiegel in Verbindung gebracht, der in Laborwerten nachweisbar sein kann. Typische Symptome, bei denen Mönchspfeffer unterstützen kann, sind Brustspannen, Heißhunger auf Süßigkeiten, Energielosigkeit und Motivationsschwäche.
Für Frauen, die eher unter aggressiven Stimmungsschwankungen leiden, ist Mönchspfeffer hingegen weniger geeignet. Diese Art von Symptomen kann für die Betroffenen besonders belastend sein, da sie oft unterdrückt werden – sei es am Arbeitsplatz oder im Familienalltag.
Ein weiteres Problem bei der Behandlung von PMS ist die schwierige Diagnosestellung. Während körperliche Probleme wie eine Schilddrüsenunterfunktion anhand von Laborwerten leicht erkennbar sind, fehlen bei PMS und PMDS (prämenstruelle dysphorische Störung) verifizierbare Laborbefunde. Die Diagnose basiert daher vor allem auf klinischen Einschätzungen und den Angaben der Patientinnen.
Ich setzte auf alternative Ansätze wie die Hypnosetherapie, da wissenschaftliche Studien darauf hindeuten, dass PMS-Symptome häufig mit frühkindlichen Traumata zusammenhängen können. Hypnose kann helfen, unbewusste Konflikte zu lösen, die sich insbesondere vor der Menstruation durch die erhöhte emotionale Empfindlichkeit zeigen.
In den USA wird PMS teilweise mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) behandelt, die zyklusbezogen verabreicht werden. Obwohl diese Medikamente überraschend schnell wirken können, fühlen sich viele Frauen mit dieser Therapieform unwohl, weshalb sie nicht als Erstlinienbehandlung empfohlen wird.
Dr. Struck: Ich stelle oft fest, dass Patientinnen nach hypnotherapeutischen Sitzungen deutlich weniger Schmerzmedikamente benötigen und sich Zyklusunregelmäßigkeiten häufig von selbst normalisieren. Bei manchen Frauen zeigen sich positive Effekte bereits nach ein bis drei Sitzungen. Bei anderen dauert es etwas länger – etwa drei bis vier Zyklen –, was auch mit den hormonellen Prozessen in den Eierstöcken zusammenhängt. Denn der Zyklus, den wir wahrnehmen (von der Menstruation über den Eisprung bis zur nächsten Menstruation), ist nur der sichtbare Teil eines längeren Vorbereitungsprozesses von etwa drei Monaten.
Die Ergebnisse, die ich mit Hypnose erziele, sind durchweg positiv. Mittlerweile gibt es auch Studien, die die Wirksamkeit bestätigen. Eine Untersuchung zeigte beispielsweise, dass einfache hypnotherapeutische Interventionen eine vergleichbare Schmerzlinderung wie Ibuprofen bewirken können. Besonders interessant fand ich eine Studie aus China, die an Krankenpflegeschülerinnen durchgeführt wurde und ebenfalls die Effektivität von Hypnose bei Menstruationsbeschwerden belegt.
Dr. Struck: Eine ausgewogene Ernährung und ein bewusster Lebensstil spielen eine entscheidende Rolle bei der Linderung von PMS-Symptomen. Eine schlechte Ernährung kann die Beschwerden meiner Erfahrung nach erheblich verstärken. Insbesondere während der PMS-Phase haben viele Frauen Heißhunger auf Süßigkeiten oder ungesunde Snacks. Der hohe Zuckerkonsum kann jedoch den Magnesiumbedarf erhöhen, was problematisch ist, da Magnesium zu einer normalen Muskelfunktion beiträgt. Ein Mangel kann unter anderem Muskelverspannungen – etwa in den Schultern, im unteren Rücken oder in der Gebärmutter – verschlimmern.
Ich empfehle meinen Patientinnen, auf eine Ernährung zu achten, die reich an grünem Gemüse ist, da dieses viel Magnesium liefert. Gleichzeitig sollte der Konsum von Zucker, Weißmehlprodukten und Alkohol reduziert werden, da sie den Magnesiumhaushalt belasten. Um einem Magnesiummangel vorzubeugen, kann ein hochwertiges Magnesiumpräparat aus der Apotheke (z. B. Magnesiumcitrat oder Magnesiumaspartat) sinnvoll sein – besonders in stressigen Zeiten oder nach einem Glas Wein.
Darüber hinaus spielen ungesättigte Fettsäuren eine wichtige Rolle, da sie für die Bildung von Prostaglandinen benötigt werden. Diese Fettsäuren können aus meiner Sicht unterstützend helfen, Menstruationskrämpfe zu lindern. Wenn die Ernährung in dieser Hinsicht unausgewogen ist – etwa durch zu viele gesättigte Fettsäuren oder eine einseitige Ernährung auf Reisen –, empfehle ich Nahrungsergänzungen wie Nachtkerzenöl- oder Borretschölkapseln.
B-Vitamine sind ebenfalls essentiell, insbesondere für Frauen, die in der zweiten Zyklushälfte unter Schlafstörungen leiden. Diese Vitamine unterstützen die Produktion von Melatonin, das dazu beiträgt, die Einschlafzeit zu verkürzen. Auch der Vitamin-D-Spiegel sollte regelmäßig überprüft werden, da ein Mangel die Symptomatik meiner Erfahrung nach verschlimmern kann.
Grundsätzlich ist eine vollwertige Ernährung mit reichlich Gemüse ideal. Aber ich bin auch realistisch: In stressigen Lebensphasen oder bei Zeitmangel ist es oft schwierig, frisch zu kochen. In solchen Fällen können hochwertige Nahrungsergänzungsmittel helfen, den Bedarf an wichtigen Nährstoffen zu decken. Die Basis bleibt jedoch eine bewusste und abwechslungsreiche Ernährung, die aus meiner Sicht langfristig eine deutliche Linderung der PMS-Beschwerden bewirken kann.
Dr. Struck: Bei Menstruationsbeschwerden, insbesondere bei Menstruationsschmerzen, kommen klassische Schmerzmodulationstechniken der Hypnose zum Einsatz. Je nach Schmerzintensität können diese individuell angepasst werden. Sehr effektiv ist oft die Selbsthypnose, die Patientinnen leicht erlernen können. Hypnose verstärkt dabei einen natürlichen Entspannungszustand, wie man ihn aus Alltagssituationen kennt – etwa den sogenannten „Netflix-Trance-Zustand“, bei dem man so vertieft in eine Serie ist, dass man alles um sich herum ausblendet.
Diese Zustände sind uns nicht fremd: Sei es ein Tagtraum während des Unterrichts, in dem plötzlich das Eichhörnchen am Fenster interessanter ist als die Lehrerin, oder die REM-Phase im Schlaf, die man sogar bei Tieren beobachten kann. Hypnose nutzt diese natürlichen Entspannungsmechanismen gezielt und vertieft sie, um Stress und Schmerzempfinden zu regulieren.
Für PMS-Beschwerden, bei denen emotionale Belastungen im Vordergrund stehen, können Techniken eingesetzt werden, die negative Gefühle bewusst „abfließen“ lassen. Solche Übungen helfen den Patientinnen, ihre Emotionen besser zu kontrollieren und gelassener mit Herausforderungen umzugehen.
Bei Beschwerden, die durch traumatische Erfahrungen verstärkt werden, ist Hypnose ein wertvolles therapeutisches Werkzeug. Sie kann helfen, belastende Erlebnisse in einen neuen Rahmen zu setzen. Zwar lassen sich diese Erfahrungen nicht rückgängig machen, doch durch Hypnose können Betroffene lernen, besser mit ihnen zu leben und ihre Reaktionen kompetenter zu steuern.
Dr. Struck: Ein wichtiger Ansatz, den ich häufig mit meinen Patientinnen verfolge, sind einfache Atemübungen, die helfen, dem stressigen Alltag entgegenzuwirken. Atemtechniken, die gezielt den Vagusnerv ansprechen, können dabei unterstützen, den Körper in einen entspannenden, parasympathischen Zustand zu versetzen. Diese Übungen tragen dazu bei, die Selbstregulation zu verbessern und Stress zu reduzieren, was gerade in der zweiten Zyklushälfte von großer Bedeutung ist.
Zusätzlich finde ich kognitive Verhaltenstherapie sehr hilfreich. Es geht darum, gemeinsam herauszufinden, welche Situationen und Trigger die Beschwerden verstärken. Dabei lernen die Patientinnen, besser mit ihren Herausforderungen umzugehen und ihre Selbstfürsorge zu verbessern. Eine dänische Psychologin, Nathry Ryan Herbert, hat viel dazu beigetragen, wie Frauen in der zweiten Zyklushälfte – in der sie sich oft dünnhäutiger fühlen und das Gefühl haben, ihren Hormonen ausgeliefert zu sein –, mehr Selbstregulation entwickeln können.
Natürlich gibt es auch Möglichkeiten, die hormonellen Schwankungen mit Medikamenten wie der Pille zu beeinflussen, aber nicht jede Frau möchte auf diese Weise vorgehen, insbesondere wenn sie keine Verhütung wünscht. Für viele meiner Patientinnen, die Kinderwunsch haben, ist die Pille keine Option. Hier ist es oft sinnvoll, die Perspektive zu wechseln: Statt sich von den Hormonen als „machtlos“ beeinflussen zu lassen, können Frauen lernen, einen besseren Umgang mit ihrem Körper und den hormonellen Veränderungen zu entwickeln. Es macht einen riesigen Unterschied, wenn die Frauen spüren, dass sie wieder mehr Selbstkompetenz und Kontrolle über ihre Situation haben.
FAZIT:
Was ich immer sehr hilfreich finde, ist, wenn eine Patientin über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten ein Symptomtagebuch führt. Es ist dabei wichtig, keine App zum Menstruationstracking zu verwenden, da viele Apps hinsichtlich Datenschutz problematisch sind und oft nicht alle relevanten Symptome abdecken. Stattdessen empfehle ich, ganz klassisch mit Zettel und Bleistift oder am Computer zu arbeiten und abends die Erfahrungen des Tages festzuhalten. Wenn Frauen über mehrere Monate ihre Symptome aufzeichnen, können wir die Muster besser erkennen und gezielter behandeln.
Ein konkretes Beispiel: Wenn eine Patientin ihren Zyklus dokumentiert und mir mitteilt, dass bestimmte Symptome immer 7 bis 10 Tage vor der Menstruation oder nach dem Eisprung auftreten, kann ich sie viel spezifischer beraten und die Therapie entsprechend anpassen. Ohne diese Aufzeichnungen ist es oft schwierig, genau zu bestimmen, wann und welche Symptome auftreten, was den Beratungsprozess verlängern und verkomplizieren kann.
Außerdem zeigt sich immer wieder, wie wichtig es ist, dass Frauen ihre Symptome gut kennen und wissen, was sie stört. Das hilft, die Zeit im Arzt- oder Beratungsgespräch effizienter zu nutzen. Wenn Frauen klar benennen können, welche Beschwerden sie haben und wann diese auftreten, wird die Behandlung viel zielgerichteter und effektiver.














